Das Vater unser

6.10 Vater unser...sondern erlöse uns von dem Bösen

Skulptur (c) Pfarrbriefservice.de
Datum:
Fr. 1. Juli 2022
Von:
Christoph Berthold

Das Böse

Das Böse – was ist das?  

 

Man stellt sich das Böse als aufgeklärter Mensch heute nicht mehr als Person vor. Kein Teufel – nur das teuflische. Keine Dämonen – nur psychisch krankhaftes.

Die Bibel sagt etwas anderes. Sie redet recht plastisch vom Teufel als Person, als Macht, als gefallenem Engelwesen.

Mich hat als Kind das Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren fasziniert. Überhaupt – wie oft wurde dieser oberschlaue, raffinierte „böse“ Teufel dann doch mit simplen Wetten und menschlichen Tricks überlistet und so als recht dumm entlarvt.

Später dann die Frage, woher all das Böse in der Welt kommt und warum Gott nicht einfach Schluss macht mit allem Leiden, uns vom Bösen erlöst…

Eine letzte Antwort wird es nicht geben. Immerhin eine Annäherung: In einer Neuenhovenoktav Anfang der 2000er Jahre hat einer der Patres auf die Frage nach dem Leid eine gute Antwort versucht:

„Oft werde ich gefragt, warum muss gerade ich so leiden, was habe ich denn nur Böses getan? Darauf kann ich nur sagen: Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass man als Christ hier die falsche Frage stellt. Die richtige wäre: Nicht WARUM ICH, sondern WOHIN MIT MEINEM LEID!“

Und dann zog der Pater ein Kreuz hervor, hielt es hoch und sagte: „Dahin! Jesus hat dein Leid mitgetragen. Gott lässt Dich nicht allein. Dein Leiden kann nicht weggezaubert werden. Es gehört zum Leben. Doch durch sein Leiden hat Jesus dich erlöst und will bei Dir sein in deinem Leid. Er will Dir Kraft geben. Gott ist im Leid dabei.“

Das Leiden, das Böse, das Teuflische, das Gemeine, das Unfaire…bedroht das menschliche Leben, stellt radikal den Glauben in Frage. Das hat schon Hiob in der Bibel am eigenen Leib erfahren. Hiob wurde alles genommen. Es war, als ob der Segen Gottes von ihm genommen würde. Und das nur, aufgrund einer Wette zwischen dem Teufel und Gott. Sein fester Glauben wurde trotzdem nicht in den Grundfesten erschüttert. Obwohl er einfach a l l e s verlor, was ein glückliches Leben ausmacht, blieb Hiob treu: „Der Herr hat`s gegeben – der Herr hat`s genommen.“ Hand auf‘s Herz: könntest Du das?

Vielleicht steht die Vaterunser-Bitte „sondern erlöse uns von dem Bösen“ deswegen am Ende des Gebets, weil es da um Alles oder Nichts geht. Sein oder Nichtsein. Glauben oder Unglauben. Verlorenheit oder Rettung. Verdammung oder Erlösung. Dunkelheit oder Licht.

Dem Menschen bleibt nichts anderes, als das Vertrauen darauf, das Gott mit seiner Schöpfung kein böses Spiel treibt. Sondern am Ende das Gute siegt und wir vom Bösen befreit, erlöst werden.

„Da stand Ijob auf, zerriss sein Gewand, schor sich das Haupt, fiel auf die Erde, betete an 21 und sprach: Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der HERR hat gegeben, der HERR hat genommen; gelobt sei der Name des HERRN. 22 Bei alldem sündigte Ijob nicht und gab Gott keinen Anstoß..“ (Hiob 1,20-22, aus Bibel - Einheitsübersetzung)

Wie gehst Du mit „dem Bösen“ in Deinem Leben um?

Gebet:

Vater unser… sondern erlöse uns von dem Bösen.