Das Vater unser

6.9 Vater unser...und führe uns nicht in Versuchung

Wegweiser (c) Gerd Altmann auf www.pixabay.com
Datum:
Mi. 1. Juni 2022
Von:
Christoph Berthold

Versuchung

Der Teufel führt in Versuchung,

klar: Die Schlange im Paradies 

 

Jesus wurde vom Teufel in den 40 Tagen seiner Wüstenzeit dreimal in Versuchung geführt. Es gibt ein interessantes Bild dazu in einer Kinderbibel. Da sitzt Jesus in der Wüste. Nein, eigentlich ist es Jesus mal zwei – spiegelbildlich Rücken an Rücken sitzen ein heller Mensch und ein dunkler Mensch. Die Aussage: die Stimme des Versuchers sitzt in einem drin. Jeder kennt diese zwei Seiten in sich selbst.

Kommt es Dir nicht auch merkwürdig vor, wenn Du im Vaterunser darum betest, dass Gott dich nicht in Versuchung führen soll? So als ob Gott einen auf die Probe und damit ein Bein stellt nach dem Motto: siehst Du, Du schaffst es nicht, nach meinen Geboten zu leben. Wie leicht Du doch verführbar bist. Gott als Fallensteller, der nur darauf wartet, dass es menschelt. Ist Gott wirklich so?

Man muss genauer hinschauen. Besser noch, genauer übersetzen. In der Bibel steht in Wahrheit: „und lass uns nicht in Versuchung geraten“ oder anders übersetzt „und führe uns in der Versuchung“!

Was bedeutet „VERSUCHUNG“?

Jesus wird dreimal von Satan versucht. Der Teufel = Widersacher, Verführer, Verleumder wird verstanden als Inbegriff des Bösen. Luzifer (= Morgenstern, Lichtträger) war in seiner Lichtgestalt wunderschön und ursprünglich einer der obersten Engel. Als gefallener Engel, der es verweigerte, sich vor dem neu erschaffenen Adam zu verneigen, rebellierte er gegen Gott, um sich ihm gleichzumachen. Daraufhin wurde er aus dem Himmel verbannt. So wurde Luzifer zum Gegenspieler Gottes und Urheber des Bösen. Nach manchen Vorstellungen, hat er dann sein eigenes Reich (Herrscher der Hölle) gegründet. Die Versuchung Jesu besteht darin, dass Satan ihn von seiner eigentlichen Berufung, seinem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden, abbringen möchte. Doch Jesus hat sich nicht weichkochen lassen. Moderner: Jesus hat zu seiner wahren Identität gefunden.

Früher war das Wort Versuchung verbunden mit dem sprachlosen Bereich sinnlicher Vergnügungen. So verstand man unter der Vaterunser-Bitte etwas wie „erhalte meine Hemmschwellen…hilf mir rein zu bleiben“ und schmeckte nach Selbstdisziplin und Beichtstuhl. Heute ist das Motto eher: Tu was Du willst (satanischer Leitsatz), take it easy. Oder es wird banalisiert als „zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt“.

VERSUCHUNG richtig verstanden ist alles, was Menschen vom Weg abbringt, verbiegt, kleinmacht, hoffnungslos und lieblos sein lässt. Wo man seinem inneren Kompass und den aufrechten Gang verliert. Keine Biographie bleibt von diesen Versuchungen/Brüchen verschont. Doch Jesu Umgang damit zeigt, wie es anders gehen könnte: sich nicht fremdbestimmen zu lassen, durch Widerstand zu wachsen. Nicht den Glauben an Gott zu verlieren trotz aller Versuchung. Damit am Ende nicht das in-die-Irre-laufen, menschliche Hybris und Verzweiflung, Gottlosigkeit, Selbstgerechtigkeit oder Gleichgültigkeit stehen.

„Niemand, der in Versuchung gerät, halte Gott für den Versucher.“ (Jakobusbrief 1,13, aus Bibel - Einheitsübersetzung)

Wie gehst du mit Versuchungen um?

Gebet:

Vater unser… wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.