Credo

0.2 Ich glaube

Beten (c) Tima Mirochnichenko- Pixels
Datum:
Sa. 1. Okt. 2022
Von:
Christoph Berthold

Man redet nicht von einem apostolischen Wissensbekenntnis, sondern dem Glaubensbekenntnis. 

Wäre es nicht viel einfacher, wenn man klipp und klar, schwarz auf weiß, wissenschaftlich eindeutig formuliert hätte, was zu glauben ist? Schließlich kann man Wissen (scheinbar) mit Fakten nachprüfen und klar beweisen.

Glauben dagegen ist schon etwas ganz anderes, anscheinend weniger Wahres – ein Vermuten, Annehmen ohne hieb und stichfeste Beweise. Ist das nicht eher etwas für naive, schlichte Gemüter?

Wissen oder Glauben?

Wenn man so über „Wissen“ oder „Glauben“ denkt, ist das Credo eine Ansammlung interessenorientierter Glaubenssätze, die menschengemacht und willkürlich zusammengefasst sind. Wo ist der Haken? Wahrheit an sich ist durchaus relativ. Mathematik, Physik, Chemie…erklären die Welt mit Hilfe von Modellen, Berechnungen und leiten Gesetze daraus ab. Nur: allein schon die Frage, was Wirklichkeit sei, ist umstritten. Unterschiedliche Theorien existieren mitunter parallel nebeneinander. Wie leicht wird menschliche Wahrnehmung von Sinnesillusionen getäuscht?

Was ist Wahrheit oder Glauben?

Niemand kann beweisen, dass es Gott gibt. Niemand kann aber auch das Gegenteil beweisen. Wirklichkeit und Wahrheit sind immer ein stückweit relativ, letztlich doch auch spekulativ. Kannst du Liebe beweisen? Wenn Du sagst „Ich liebe dich!“, kannst du zwar Liebesbeweise in Form von Blumen oder Sich-um-den-andern–Kümmern geben. Nur ist die Liebesqualität an sich unmessbar.

Man kann nur vertrauen = glauben, dass jemand dich wirklich liebt. Zum Menschsein gehört es, zu vertrauen und glauben zu können.

Schon spannend, oder nicht? Gott hätte doch ganz einfach alles in puncto Glaube ganz klar und eindeutig machen können.

Aus irgendeinem Grund lässt Gott aber lieber alles im Geheimnisvollen, wenn es um das glauben geht. Mit Jesus ist es nicht anders. An ihm entscheidet sich das Ganze des Christseins. Jesus selber ging aufs Ganze. Doch auch er erlebte das Geheimnisvolle Gottes in der Angst der Ölbergstunde und der Verzweiflung des Leidens und Sterbens am Kreuz – der äußersten Gottverlassenheit: „Mein Gott, mein Gott – warum hast du mich verlassen?“

Was bleibt da? Der Kern, die Keimzelle des Glaubens, ist keine abstrakte Wahrheit (Jesus als Sohn Gottes wurde auferweckt), sondern eine Beziehung und eine Erfahrung, durch die Jesus fragt:

Glaubst Du, dass ich der Weg, die Wahrheit und das Leben bin?

Alles andere – insbesondere die „Glaubenswahrheiten“ des Credos – sind dann Entfaltungen einer Wirklichkeit, die nicht der Verstand, sondern nur das Herz erkennen kann. Wäre es anders, wäre Gott einfach „zu wissen und beweisen“, könnte man ihn abrufen wie eine mathematische Formel zur Welterklärung. Gott wäre nach Belieben benutzbar, ablegbar in der Cloud und in Büchern, eintütbar, mit menschlichem Verstand begreifbar. Nur der geheimnisvoll „geglaubte“ Gott ist ein lebendiger. Gott ist größer…

Was ist Dein Glaube?

 

Gebet:

Versuche, dies im Gebet vor Gott zu bringen…